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SITZUNGSBERICHTE

»ER KAISERLICHEN

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

FUNFUNDVIERZIGSTER BAND.

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WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.

IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER »ER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

1862.

SITZUNGSBERICHTE

dei:

MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHEN

CLASSE

DER KAISERLICHEN

AKADEMIE HER WISSENSCHAFTEN.

XLV. BAND. I. ABTHEIIM.

Jahrgang 1862. Heft I bis V.

(Hit 30 Cafein.)

WIEN.

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.

INCOMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BÜCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

^1862.

INHALT.

Seite

I. Sitzung vom 3. Jänner 1862: Übersicht 3

Scheiber, Vergleichende Anatomie und Physiologie derÖstriden-

Larven. Zweiter Theil. (Mit 3 Tafeln.) 7

II. Sitzung vom 9. Jänner 1862 : Übersicht 69

Stoliczka , Oligocäne Bryozoen von Latdorf in Bernburg.

(Mit 3 Tafeln.) 71

III. Sitzung vom 16. Jänner 1862: Übersicht 95

Jessen, Über Ausgaben und Handschriften der medicinisch-

naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard ... 97

IV. Sitzung vom 30. Jänner 1862: Übersicht 117

Rolle, Über eine neue Cephalopoden- Gattung Cyclidia aus

den Tertiärschichten von Siebenbürgen. (Mit 1 Tafel.) 119

V. Sitzung vom 6. Februar 1862: Übersicht . 131

Langer, Zur AnatomieundPhysiologiederHaut.il. (Mit 1 Tafel.) 133

VI. Sitzung vom 13. Februar 1862: Übersicht 189

Diesing, Revision der Turbellarien, Abtheilung: Khabdoeoelen 191

VII. Sitzung vom 27. Februar 1862: Übersicht 319

VIII. Sitzung vom 13. März 1862: Übersicht 321

Gümbel, Die Dachsteiubivalve (Megalodon triqueter) und

ihre alpinen Verwandten. (Mit 7 Tufeln.) 32o

IX. Sitzung vom 20. März 1862: Übersicht 379

v. Zepharovieh, Berichtigung und Ergänzung meiner Abhand- lung über dieKrystallformcn des Epidot. (Mit 1 Tafel.) 381 Heller, Beiträge zur näheren Kenntniss der Macrouren.

(Mit 2 Tafeln.) 389

X. Sitzung vom 3. April 1862: Übersieht 427

Zirkel, Versuch einer Monographie des Bournonit. (Mit 7 Tafeln.) 431

XI. Sitzung vom 10. April 1862: Übersicht 467

Langer, Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane . . . 470

VI

Seite

XII. Sitzung vom 24. April 1862: Übersicht 475

XIII. Sitzung vom 8. Mai 1862: Übersicht 479

Üiesing , Beschreibung von zwei neuen Arten der Gattung

Aulastomum aus warmen Quellen Ungarns 481

Kner , Kleinere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische

Österreichs. (Mit 2 Tafeln.) 485

v. Zepharovich, Die Krystallformen des unterschwefligsauren

Kalkes. (Mit 3 Tafeln.) 499

XIV. Sitzung vom 15. Mai 1862: Übersicht 312

XV. Sitzung vom 22. Mai 1862: Übersicht 816

SITZUNGSBERICHTE

DER

KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.

MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.

XIV. BAND.

ERSTE ABTHEILUNG.

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.

I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1862.

Eingesendet wurden folgende Abhandlungen:

„Über Saponin und Cai'ncetin und deren Spaltungsproducte", von dem w. M. , Herrn Prof. Dr. Fr. Rochleder in Prag.

„Über einige Xanthinsäure-Verbindungen", von dem c. M., Herrn Prof. Dr. H. Hlasiwetz zu Innsbruck.

„Über eine neue Säure aus dem Milchzucker", von Herrn Prof. Dr. H. Hlasiwetz und Herrn L. Barth.

„Untersuchungen über die Leistungsfähigkeit der Bourdon- schen Metallbarometer", von Herrn Prof. Jos. Wa stier in Gratz.

„Über den Wärmezustand der Gase", von Herrn Prof. K. Puschl in Melk.

Das k. k. Marine-Ober-Commando übersendet den I. Band des medicinischen Theiles des Werkes: „Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859 unter den Befehlen des Commodore B. von Wül lerstorf-Urbair" von Dr. Eduard Schwarz.

Die königl. Norwegische Universität Christiania übermittelt eine silberne Medaille, welche bei Gelegenheit der 50jährigen Jubel- feier dieser Hochschule geprägt wurde, nebst einer zweiten Medaille von Bronze zur Erinnerung an die Krönung S. M. König Karl XV. am 5. August 1860.

Der Secretär theilt mit, dass für die chemische Preistrage, be- züglich einer genauen Untersuchung der phosphorsauren Salze, bis zum festgesetzten Termin, dem 31. December 1861, keine Concur- renzschrift eingelangt ist.

Herr Director K. v. Littrow überreicht eine Abhandlung: „Über die Bahn von(59)EIpis" vom Assistenten an der Wiener Stern- warte, Herrn Dr. Edm. Weiss.

Herr Dr. Julius Wiesner übergibt eine „vorläufige Mitthei- lung über die Lage der Blattbasen".

Herr Dr. Vict. v. Lang legt eine Notiz über „die Krystallformen des unterschwefelsauren Baryts und des traubensauren Kali" vor

i*

Ali Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Monats- bericht. Juni October 1861. Berlin, 1861; So- Annales des mines, 5e Serie, Tome XIX, 3C Livraison de 1861.

Paris, 1861; 8°- d* Arrest, H. L., Instrumentum tnagnum aequatorewn in Specufa

U/iiversitatis Haunicnsis nuper crectum. 4°" Astronomische Nachrichten, Nr. 1340 1342. AItona,1861; 4»- Austria, XIII. Jahrgang, L. LH. Heft. Wien, 1861; S<> Barrande, Joachim, Defense des colonies. I. Prague & Paris,

1861; 8°- Bauzeitung, Allgemeine, XXVI. Jahrgang, X., XI. & XII. Heft

nebst Atlas. Wien, 1861 ; 4°- & Fol. Bericht über den Handel, die Industrie und die Verkehrsverhält- nisse in Nieder-Österreich während der Jahre 1857 1860.

Erstattet von der Handels- und Gewerbekammer in Wien.

Wien, 1861; So- Christian ia, Universität, Akademische Gelegenheitsschriflen. Chri-

stiania, 1854 1861; 8'- & 4<>- Comptes rendus de l'Academie des sciences, Tome LIII, Nr. 22

bis 24. Paris, 1861 ; 4<>- Cosmos, Xe Annee, 19° Volume, 24" 26e Livraison. Paris,

1861; So- Gazette medieale d Orient, Vc Annee, Nr. 9. Constantinopole,

1861; 4°- Ge werbe- Verein, niederösterreichischer, Verhandlungen und

Mittheilnngen. Jahrgang 1861, 9. & 10. Heft. Wien, 1861; 8°- Göth, Georg, Das Joanneum in Gratz, geschichtlich dargestellt

zur Erinnerung an seine Gründung vor 50 Jahren. Gratz,

1861; 8o- G uggenbühl, J., Bericht über das 20jährige Bestehen der Kreti-

nen-Anstalt auf dem Abendberge. Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XI. Jahrg., 1861, Nr. 36;

XII. Jahrgang, 1862, Nr. I. Wien, 1861 & 1862; 4°- Mittheilungen des k. k. Genie-Comite, Jahrgang 1861. VI. Band,

5. & 6. (Doppel-) Heft. Wien, 1861 ; 8»- ans J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861, XI.

Hell. Gotha, 1861 ; 4o-

Regel, E. , Übersicht der Arten der Gattung Thalictrum, welche

im russischen Reiche und den angrenzenden Ländern wachsen.

Mit 3 Tafeln. Moskau, 1861; 4<>- Schwarz, Eduard, Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde

in den Jahren 1857, 1858, 1859. Medicinischer Theil. I. Rand.

Mit 10 Holzschnitten, 1 lithogr. und 1 Kupfertafel und 3 Rei-

lagen. Wien, 1861; 4°- Übersicht der akademischen Rehörden an der k. k. Universität zu

Wien für das Studien-Jahr 1861/62. Wien, 1861; 4«- Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in

Wien. Schriften. I. Rand, Jahrgang 1860/61. Mit 2 Tafeln

und 6 Holzschnitten. Wien, 1862; 12°-

Vorarlberger Museums-, in Rregenz. Vierter Rechenschafts- bericht. Rregenz, 1861; 4°-

Offenbacher, für Naturkunde, Zweiter Rericht über seine Thätigkeit. OfTenbach am Main, 1861; 4°-

Viertel Jahresschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. XVII.

Rand, 1. Heft. (I. Jahrgang 1862.) Wien, 1862; So- Wiener medicinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 49 52.

Wien, 1861; 4°- Wochen- Rlatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft.

XI. Jahrgang, Nr. 4 & 5. Gratz, 1861 ; Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- Vereines, XIII. Jahr- gang, X.Heft. Wien, 1861; 4<>-

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven.

Von Dr. S. H. S c h e i b e r.

(Vorgelegt in der Sitzung vom 7. November 1861.)

Zweiter Theil.

VIERTES CAPITEL.

(Mit 3 Tafeln.)

Respirationssystem.

Wenn schon die Bremsen-Larven in Hinsicht des Nervensystems einen von allen bis jetzt bekannten Insecten höchst abweichenden Bau zeigen, so ist dies nicht minder wiewohl im geringeren Grade von Bespirationssystem der Fall. Die hier in Betracht kommenden Eigenthümlichkeiten beziehen sich jedoch hauptsächlich auf die äus- sern, mit der Aussenwelt communicirenden Theile der Bespirations- organe, sowie auf die Art und Weise, wie der Gasaustansch in den Bespirationswegen vor sich geht, während die im Innern des Lar- venkörpers sich verästelnden Luftröhren geringere oder gar keine Abweichungen von dem gewöhnlichen Typus der Tracheenverästelun- gen darbieten.

Wir haben von allen drei bis jetzt abgehandelten Organsyste- men, nämlich vom Muskelnerven- und Circulationssystem gesehen, dass die Bremsen-Larven nach einem und demselben Typus gebaut sind. Dieses ist in Betreff des Bespirations- und Digestionssystems weniger der Fall, indem diese Organsysteme bei den einzelnen Lar- vengattungen auffallende, der Verschiedenheit ihrer Lebensweise angemessene Modih'cationen erleiden.

O Scheiber.

Man stösst bei den Bremsen-Larven auf zwei verschiedene Typen von Respirationsorganen1), die nach ihrem Baue und ihrer physiologi- schen Würdigung von einander in auffallender Weise abweichen. Der eine Typus ist bei einer einzigen Gattung, nämlich bei den Gastrus- Larven vertreten und hat den Zweck, dem Thiere den Aufenthalt sowohl im Wasser als auch in der Luft zu ermöglichen, während der andere Typus sich bei allen übrigen drei Gattungen (Hypoderma-, Cephe- tiomyia- und Cephalomyia -Larven) vorfindet, und dem Baue nach blos für Luftathmung bestimmt ist. Es ist bekannt, dass die Gastrus- Larven im Magen und Darmcanal von Einhufern und namentlich von Pferden leben, wo sie durch viele Stunden des Tages mit Nahrungs- mitteln und flüssigen Stoffen in Berührung kommen, während sie die übrige Zeit in einem Medium von verschiedenen, im Darmtracte an- gesammelten Gasen zubringen, und demnach einer Einrichtung bedürfen , die den Mechanismus der Wasser- und Luftathmung in sich vereint.

Die Cephenomyien und Cephalomyien leben in der Nasen-, Stirn-, Kiefer- und Rachenhöhle der betreffenden Wohnthiere (meist Zwei- hufer), wo sie sich mit ihren Mundhaken an die Schleimhaut fest- klammern und mit ihren Stigmenplatten stets von der in diesen Höhlen befindlichen atmosphärischen Luft umgeben sind. Die unter der Haut (von meist Zweihufern) lebenden Hypoderma-Lar\en liegen zeitlebens in abgesackten Hautfollikeln der betreffenden Wohnthiere und zwar so, dass sie mit ihrem vordem (Mund-) Ende nach innen, mit ihrem hintern (Stigmen-) Ende nach aussen gewendet sind. Das letzterwähnte Ende des Larvenkörpers liegt nicht in einem Niveau mit der äussern Öffnung des ampullenförmig erweiterten Hautfollikels, sondern, da dieser mittelst eines kurzen und engen Canales nach aussen mündet, am innern Ende dieses Canales, durch welchen die atmosphärische Luft bis zu den Stigmenplatten dringt. Die Larven sämmtlicher drei letztgenannten Östriilen-Gattungen sind demnach rein auf Luftathmung angewiesen, und besitzen daher eine diesem Bedarfe angemessene und genau einander übereinstimmende, äussere respiratorische Einrichtung.

•) Wir verstehen hier mir Typen, die durch Verschiedenheiten Ui den äusseren Theilen des Respirationsapparates gebildet werden.

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 9

A. Äussere Respirationsorgane der Gastrus-Larven.

Schjröder van der Kolk J) rechnet zu den äusseren Respira- tionsorganen die Kiemenbläschen und die Stigmenöffnung; zu den inneren das von ihm sogenannte Chambre aerifere, die Lungenbläs- chen und die Tracheen. Wir werden der bessern Übersicht halber die Luftkammer noch bei den äusseren Respirationsorganen besprechen, und diese im Allgemeinen «, in die Stigmenplatte und ß, in die Luft- kammer eintheilen.

u) Stigmenplatte.

Die Stigmenplatte liegt am hintern Ende des Larveukörpers, und wird von zwei wulstigen Lippen (Fig. 36 ad), die zwischen sich einen queren Spalt einschliessen, überragt. Diese Lippen, deren man eine obere und untere unterscheidet, werden dadurch gebildet, dass das freie Ende des hintersten Leibesringes (7>ö) gegen die Leibeshöhle hin taschenförmig eingestülpt ist. Am Grunde dieser Tasche liegt nun die Stigmenplatte (cc) , jedoch nicht senkrecht zur horizontalen Ebene, sie bildet vielmehr mit dieser einen kleinen Win- kel, so dass der obere Rand der Stigmenplatte (c) von der obern Lippe (a) weiter (nach innen) absteht, als der untere (c) von der untern Lippe («'). Die Lippen werden durch in ihrer Substanz ge- legene Muskeln (sphincter et dilatatores) geöffnet und geschlossen. Indem sich die Lippen schliessen, schieben sie sich so gegen einan- der, dass sie genau auf der äussern Fläche der Stigmenplatte hin- gleiten, und auf diese Weise den etwa an derselben haften gebliebe- nen Schleim etc. abstreifen, wodurch die Stigmenplatte stets rein erhalten wird. Ihre Function besteht ausserdem auch noch darin, dass sie die so zart gebaute Stigmenplatte vor mechanischen Beleidigungen z. B. vor in den Magen gelangenden Pflanzenstacheln etc. schützen sollen, keineswegs aber in einem Abhalten der Stigmenplatten vor Berührung mit Flüssigkeiten, da ja die Stigmenplatte eben so für Wasser- als Luftathmung eingerichtet ist.

Die Stigmenplatte selbst hat mehr weniger die Gestalt eines liegenden Ovals und besteht aus zwei seitlich gelegenen halb-

•) Memoire sur ('Anatomie et. Pliysiol. du G.istrus equi 1845, pag'. 82 125.

10 Scheiber.

mondförmigen Chitinplatten (Fig. 34 ad), welche durch eine zarter gebaute, mit einer centralen Öffnung (c), sowie mit von dieser Öffnung aus radiär verlaufenden Falten versehenen Chitinlamelle (bb) verbunden sind. Wir werden der Kürze halber die seitlichen (halbmondförmigen) Theile der Stigmenplatte (ad), weil sie die Kiemenbläschen enthalten, Kiemenplatten, und die mittlere weiche Chitinlamelle, weil sie die Stigmenöffnung enthält, Stigmenlamelle nennen. Unter der Bezeichnung Stigmenplatte endlich verstehen wir alle 3 Theile in toto. Sowohl an den zwei seitlichen, als an der mittlem Lamelle kann man drei Schichten unterscheiden. Wenn man die zwei seitlichen Theile der Stigmenplatte (cia) näher betrachtet, so bemerkt man an diesen drei halbmondförmige, concentrisch ver- laufende, zu beiden Seiten zierlich ausgezackte Linien (dd, ee), die nichts anderes als der Ausdruck von Canälen sind, welche mit einer doppelten Reihe von ziemlich regelmässig einander gegenüber gelegenen Ausbuchtungen versehen sind. Diese Canäle nannte Schrö- der van der Kolk Bögen (Arcades), während er die Ausbuchtun- gen derselben mit dem Namen Kiemenbläschen bezeichnete. Wir werden die ersteren Kiemencanäle nennen, für letztere behalten wir noch einstweilen den Namen Kiemenbläschen; obwohl sie, wie wir weiter unten sehen werden, keine eigentlichen Bläschen sind. Sowohl die bogenförmigen Canäle, als auch ihre seitlichen Ausbuch- tungen oder Bläschen liegen in der mittlem Schichte der halbmond- förmigen Kiemenplatten (aa) und würden nach aussen offene Halb- canäle darstellen, wenn sie nicht durch die äusserste Schichte der Stigmenplatte geschlossen wären. Diese äusserste Schichte wird durch eine sehr zarte Chitinmembran (Fig. 36 d) gebildet, welche als Fortsetzung des äussern Integumentes von den Lippen aus auf die äussere Fläche der Stigmenplatte übergeht, und diese als eine homogene Membran gleichmässig überzieht. Sie ist künstlich von der zweiten Schichte nicht zu isoliren, wohl aber kann sie im getrock- neten Zustande der Stigmenplatten wahrgenommen werden, wo sie sich als ein feines, mit der Unterlage noch theilweise zusammenhän- gendes Häutchen allenthalben von dieser loshebt, und kann dann mit der Nadel im Ganzen, oder in Form grösserer oder kleinerer Lappen abgezogen werden. Sie ist entsprechend der centralen Stigmen- ölfnung (Fig. 36 e) durchbohrt.

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 1 1

Während nun die Stigmenlamelle und Kiemenplatte in ihrer äussersten Schichte gleichen Bau haben, sind sie in den zwei folgen- den Schichten von sehr verschiedener Structur. Die zweite Schichte der Stigmenlamelle besteht aus der schon weiter oben beschriebenen , ziemlich festen Chitinmembran (Fig. 34 b b und Fig. 36 f), welche mit der äussern Schichte fest verwachsen ist, die mittlere Schichte der zwei Kiemenplatten mit einander verbindet, und die Stigmenöffnung enthält (Fig. 34 c und Fig. 30 e). Die dritte Schichte der Stigmenlamelle wird von einer Chitinmembran (Fig. 30 g und Fig. 35 cc) gebildet, die mit der mittlem Schichte der Stigmenlamelle nicht zusammenhängt, vielmehr bleibt zwischen beiden ein freier Raum (Stigmenraum), der im Centrum von einer dünnen zarthäutigen Röhre (Stigmen röhre) (Fig. 35 und 30 e) durchzogen wird, welche die dritte Schichte der Stigmenlamelle mit der zu Eins verwachsenen äussern und mittlem Schichte derselben verbindet. Die die dritte Schichte bildende (freie) Membran hängt mittelst ihrer Seitenränder (Fig. 35 cc) mit der dritten oder porösen Schichte der Kiemenplatten (Fig. 35 d d) zusammen, so dass also der Stigmenraum mit den Lücken des porösen Gewebes in unmittel- barer Communication steht.

Ein Theil und die Ränder c'c' der innern Stigmenmembran (dritte Schichte der Stigmenlamelle) sind verdeckt von den Fortsätzen (bb) des Ringes (Fig. 35 au), welcher der Innenfläche der Stigmen- platte aufliegt; dieser Ring hat die Grösse und Begrenzungsform der Stigmenplatte (in toto), an dessen äusserer Umrandung er augeheftet ist. Nur entsprechend der zapfenförmigen Fortsätze (bb) besteht keine Verbindung zwischen dem äussern Rande des Ringes und dem der Stigmenplatte, so dass man da zwischen beiden eine feine Sonde oder Borste durchschieben kann, und so unterhalb der innern Stigmen- membran (Fig. 35 cc') in den Stigmenraum gelangen kann.

Die äussere Umrandung des Ringes (cia) ist breit, die innere (aV) zugeschärft , so dass die Durchschnittsfläche des Ringes ein Dreieck bildet mit äusserer Basis und innerer Spitze. Der Ring liegt blos mit seiner äussern Umrandung der Stigmenplatte auf, wäh- rend er mit seinem innern Rande von dieser absteht. Er besteht aus einem äusserst fein schwammigen Chitingewebe, mit sehr dünnen Balken und feinen Lücken. Nur die äussere Umrandung des Ringes besteht aus compacter fester Chitinsubstanz, welche einen starken

12 S c h e i b e r.

Rahmen für das poröse Gewebe des Ringes abgibt, und zum Ur- sprünge dient für jene Membran (Fig. 36 i) , welche die Luft- kammer (Fig. 36 k) gegen die Leibeshöhle begrenzt.

Im Centrum besitzt die innere Stigmenmembran ein kegelför- miges Wärzchen (Fig. 36 6'), an dessen Spitze sich die innere Ausraiindung der Stigmenröhre befindet ; an der äusseren Stigmen- membran (die zu Eins verwachsene äussere und mittlere Schichte der Stigmenlamelle) ist die äussere Ausmündung der Stigmen- röhre (Fig. 36 e und 34 c); letztere ist in Natur länger als in der schematischen Zeichnung angedeutet ist; sie liegt im gewöhn- lichen Zustande, wenn nämlich die innere Stigmenmembran an die äussere anliegt, zwischen beiden gefaltet, und ist daher deren Lumen aufgehoben.

Es ist ungemein schwierig, die äussere Stigmenöffnung wegen ihrer äussersten Kleinheit zur directen Anschauung zu bringen. Man sieht an der Stelle der Stigmenöffnung blos einen dunklen Fleck, als Ausdruck der gefalteten Stigmenröhre zwischen der äussern und inneru Membran der Stigmenlamelle. Tragt man die innere Membran sammt der Röhre ab , so kann diese wegen ihrer Kleinheit durchaus nicht so knapp an der Membran abgeschnitten werden, dass nicht die zurückgebliebenen Reste der ohnehin sehr zart- und schlaffwandigen Röhre die feine Öffnung verlegen sollten. Zur directen Anschauung kann daher nur die Stigmenöffnung durch einen Handgriff gebracht werden , durch welchen das Lumen der Stigmenröhre hergestellt wird; dies geschieht dadurch, dass die innere Membran von der äussern emporgehoben, mit anderen Worten die Stigmenröhre gestreckt und gespannt wird.

Man ist dann im Stande in einer auf die Stigmenlamelle senk- rechten Richtung durch die Stigmenröhre durchzuschauen.

Eine andere Weise, um sich vom Vorhandensein der Stigmen- öffnung zu überzeugen, ist der indirecte Versuch. Er besteht im All- gemeinen in einem Experimente, wodurch der Druck der Luft im Innern des unter Wasser gelegten Larvenkörpers erhöht und die- selbe von dort ausgetrieben wird. Man sieht bei dieser Gelegenheit stets einen starken Luftstrom in Form einer Reihe perlartiger Gas- blasen vom Centralpunkte der Stigmenplatte hervorschiessen. Schrö- der van der Kolk bediente sich zu diesem ßehufe der Luftpumpe, unter deren Recipienten er die Gastrns-\ji\r\en in eine mit Kalkwasser

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. \ 3

gefüllte Schale legte. Bei jedesmaligem Emporheben des Stempels bemerkte er entsprechend der Stigmenöffnung einen Strom von Gas- perlen hervorschiessen , die das Kalkwasser in ihrer Bahn milchig trübten (wegen des Kohlensänregehaltes der aus dem Innern hervor- strömenden Luft). Die Untersuchung des Larvenkörpers nach dem Pumpenspiel ergab, dass die Kiemenplatte unversehrt war, ein Zeichen, dass keine Kiemenbläschen gerissen wurden und etwa die Luft von denselben ausströmte; feiner fand er die Luftkammer, Kiemenbläs- chen und Tracheen mit milchig getrübtem Kalkwasser (kohlensaurem Kalk) gefüllt.

Ich überzeugte mich vom Vorhandensein der Stigmenöffnung auf indirecte Weise durch ein viel einfacheres Experiment. Ich warf nämlich Gastrus-Lar\en in beisses Wasser, worauf stets vom hintersten Körperende ein eontinuirlicher Strom von unverhältnissmässig gros- sen Gasblasen (sowie die Funken aus einer Rakete) hervorschoss. Die Strömung dauerte eine ziemlich geraume Zeit (1 2 Minuten), so dass man sehr leicht und genau beobachten konnte, dass Gas- blasen an keiner andern Stelle des Larvenkörpers oder der Stigmen- platte, als nur an der centralen Stigmenöffnung der letzteren aus dem Innern des Körpers hervorströmten.

Wir wollen nun den Bau der Kiemen platten und deren Schichten näher betrachten. Die äusserste Schichte (Fig. 39 d) ist, wie wir schon oben gesehen haben, eine sehr feine und zarte homogene Chitinmembran, die als Fortsetzung des äussern Integu- mentes die ganze Stigmenplatte gleichmässig überzieht; die innerste Schichte (Fig. und 39 dd) ist die dickste und wird von einem fein porösen , schwammigen Chitingewebe gebildet. Die Balken dieses Gewebes nehmen ihren Ursprung von dickeren Balken (Fig. 39 bb) , die von der mittlem Schichte der Kiemenplatten (Fig. 39 e'e') zu beiden Seiten je eines Kiemencanales (Fig. 39 h,i) hervorgehen, und durch Abgeben seitlicher Fortsätze sich vielfach verzweigen.

So homogen die äusserste und innerste Schichte der Kiemen- platten gebaut ist, so sehr complicii te Verhältnisse bietet die mittlere Schichte derselben dar. In dieser finden sich jene Gebilde vor, die der äusseren Fläche der Kiemenplatte ein so zierliches Aussehen ver- leihen und die eigentlichen Kiemeucauäle (Fig. 34 dd, ee) consti- tuiren. Diese Schichte wird zunächst vor einer dicken und festen

J4 Scheiber.

Chitinplatte gebildet, die in den Interstitiell der Kiemenbögen (Fig. 39 e'e') einfach ist, entsprechend den Kiemenbögen selbst aber in 2 Blätter zerfällt. Bei e'e Fig. 39 und c, d Fig. 38 ist die mittlere Schichte noch einfach dargestellt. Bei e e und ff Fig. 38 zerfällt sie in die 2 Blätter (Fig. 38 g g g g und i i, Fig. 39 e und /').

Das äussere Blatt ist keine continuirliche Membran, sondern besteht blos aus einem System paralleler, quergelegener Leisten (Querleisten Fig. 38 g g, Fig. 39 e) . die zwischen sich grosse regelmässige Fenster (Fig. 38 ««, b b) einschliessen, an ihrem Ursprünge bogenförmig in einander übergehen (Fig. 38 e e, ff), und in der Mitte (in der Medianlinie des Kiemencanales) mittelst dünner Chitinstäbchen (Fig. 38 h Ji) unter einander in Verbindung stehen. Diese Querleisten sind hart spröde, und dunkel gefärbt, nur in der Mitte, wo sie eine rautenförmige Gestalt annehmen, sind sie heller (gelblich) gefärbt.

Das innere Blatt bildet in einem jeden Kiemencanal 2 der Länge der letzteren gleichkommende, von beiden Seiten her fast bis zur Medianlinie des Canales vorspringende, harte und heller gefärbte Chitinleisten (Längsleisten) Fig. 38 ii und Fig. 39 ff, die sich je näher der Medianlinie um so mehr vom Niveau des äusseren Blattes (Querleisten) nach innen (gegen das schwammige Gewebe) entfernen; die Längsleisten hören nahe der Medianebene mit einem äusserst feingezähuten Bande (Fig. 38 k k) auf, und lassen zwischen sich einen sehr feinen Spalt, durch den der zwischen dem eben beschriebenen äusseren und inneren Blatte der mittleren Chitin- schichte frei bleibende Baum (Fig. 39 Ii) mit dein unterhalb der Längsleisten gelegenen Baume (Fig. 39 /) in Communication steht. Die Längsleisten nehmen ihrer Breite nach vom angewachsenen bis gegen den freien Band hin an Dicke und dunkler Färbung ab, so dass sie am freien, gezähnten Bande am dünnsten und hellsten sind.

Das Balkengewebe der dritten Schichte der Kiemenplatten ist zu beiden Seiten der Kiemencanäle (Fig. 39 d d) dichter als entspre- chend der Medianlinie derselben (c); letztere Partie besteht aus einem festeren Balkenwerke , von welchem sich in senkrechter Richtung gegen die Längsleisten (/'/') die hufeisenförmige Platte (£19) emporhebt, deren Hörner an die Längsleisten stossen und mit diesen verbunden sind. Diese Platte ist an der Unibiegungsstelle schmal, an den Hörnern breit, und besteht aus fester, spröder und

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. \ty

dunkel gefärbter Chitiiisubstanz. Denkt man sich nun eine ganze Reihe von quergestellten, in gewissen Intervallen von einander ab- stehenden solchen hufeisenförmigen Platten längs eines Kiemen- canales (Fig. 34 d d, e e), so ruhen die zwei Längsleisten eines Canales auf den entsprechenden Hörnern aller jener Platten. Denkt man sich ferner in jeder Kiemenplatte zwischen der zweiten (Chitin-) und der dritten (schwammigen) Schichte derselben meh- rere (drei) bogenförmig und parallel verlaufende Hohlgänge (Fig. 34 dd, ee), die durch die genannten der Quere nach gelagerten Platten in viele unter einander communicirende Loculamenta getheilt sind, so haben wir eine richtige Vorstellung von dem, was eigent- lich Kiemencanal (Fig. 39 i, A) zu nennen ist.

Die Kiemencanäle in unserem Sinne stellen demnach Halbcanäle vor, die nach aussen durch die äusserste Membran (Fig. 39 a) geschlossen sind und nach innen mittelst des schwammigen Gewebes (d, c, d) mit der Luftkammer (Fig. 36 k) communiciren.

Unter Kiemenbläschen endlich in dem Sinne, wie ich sie mir vorstelle, ist der zwischen dem äusseren und inneren Blatte der mittleren Schichte der Kiemenplatte frei bleibende dreieckig pris- matische Raum (Fig. 39 A) zu verstehen, der die Länge des ent- sprechenden Kiemencanales hat. Dieser Raum ist aber keineswegs in Loculamenta oder Zellen (Bläschen) getheilt, wie Sehröder van der Kolk glaubte, und man überhaupt bei oberflächlicher Be- sichtigung und Untersuchung der äusseren Fläche der Stigmenplatte annehmen möchte. Man sieht vielmehr an Querschnitten der Kiemen- canäle nie sepimentartige Fortsätze von den Querleisten zu den unter ihnen gelegenen Längsleisten ziehen, was doch der Fall sein müsste, wenn zwischen beiden Leistenarten häutige Zellen oder Bläschen wären, ich glaube vielmehr, dass die Querleisten sammt ihren Bögen (Fig. 38 e e, ff) und Längsstäbchen (h li) dazu bestimmt sind, um ein festes Gerippe für jene zarte Chitinmembran (äusserste Schichte der Kiemenplatte) abzugeben, welche den Raum der Kiemencanäle nach aussen hin abschliesst , und durch welche die Diffusion zwischen den Gasen des Tracheensystems und denen der Athmungs- flüssigkeit vor sich geht.

,3) Luft kam nur.

Über den eigentlichen Mechanismus der Respiration der Gastrus- Larven können wir eist dann sprechen, wenn wir die hinter der

IQ S c h e i h e r.

Stigmenplatte gelegene Luftkammer (Fig. 36 k), in welche von aussen her die Stigmenröhre von innen her alle Körpertracheen einmünden, näher kennen werden.

Wir erwähnten weiter oben einer Membran, welche am äusseren Rande des Ringes (Fig. 35 a a) sich ansetzt, und die Luftkammer (Fig. 36 Ar) nach innen begrenzt. Luftkammer ist daher jener Raum, der zwischen jener Membran (Fig. 36 i und Fig. 37 aa) und der Stigmenplatte (Fig. 36 cc') liegt. An der benannten Mem- bran münden sämmtliche Tracheen des Körpers in die Luftkammer, von wo aus die aus den Tracheen einströmende Luft nöthigenfalls durch die Stigmenröhre nach aussen treten kann, andererseits aber durch die poröse Schichte der Kiemenplatte in die Kiemencanäle dringt. Die in Rede stehende Membran nun ist flach gewölbt, so dass die concave Seite gegen die Stigmenplatte, die convexe Seite gegen die Leibeshöhle hin gewendet ist, und bestellt aus einem groben Geflechte von dicken, braunen Chitinfasern, die in die Spiralfasern (Chitinschichte) der ausmündenden Tracheen übergehen. Entspre- chend den Zapfen (Fig. 35 b b) gehen vom Rande des Ringes Chitinfasern aus, die nicht unter einander verflochten sind, sondern neben einander in parallelen Zügen bogenförmig zu dem entspre- chenden Rande der andern Seite ziehen, und so ein Band bilden (Fig. 37 bb), welches in der Medianlinie der Membran gelegen, diese in zwei gleich grosse seitliche Hälften (Fig. 37 b, a, 6) tbeilt. Die Chitinfasern dieser Membran lassen grössere und kleinere Lücken zwischen sich, die nichts anderes als die Einmündungssteilen der Tracheen in die Luftkammer darstellen. Es sind in jeder Membran- hälfte vier grössere und zwei kleinere Löcher, von denen die vier grösseren (Fig. 37 cccc, dddd) und ein kleineres (ee) in Form eines Halbkreises um ein Centrum gelagert sind, welches durch das zweite kleinere Loch (J'f) gebildet wird.

Aus der Beschreibung dieses so complicirten Respirations- Apparates der Gastrus-harven können wir den sinnreichen Mechanismus ersehen, durch welchen bei diesen Thieren sowohl im Wasser als in der Luft der Gasaustausch vor sich geht. Befindet sich das Thier in der Luft, so wird die Stigmenröhre wegsam gemacht, die schlechte Luft aus dem Innern des Körpers herausgetrieben und gegen frische Gase ausgetauscht. Befindet sich das Thier im Wasser oder in einer andern lufthaltigen Flüssigkeit, so bleibt die Stigmenröhre natürlich so

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lange unwegsam, als sich das Thier in derselben befindet, und der Gasaustausch beschränkt sich blos auf jene Bestandteile der inner- halb des Körpers befindlichen atmosphärischen Luft, welche durch den Verbrennungsprocess im Innern des Körpers Schwankungen erleiden. Dieser Gasaustausch wird durch die Kiemencanäle ver- mittelt, welche, wie wir wissen, nach aussen entsprechend den Lücken zwischen den Querleisten durch eine sehr feine Membran abgeschlossen sind, und nach innen mittelst des schwammigen Ge- webes mit der Luftkammer und den Tracheen des Körpers in offener Communication stehen.

Bei allen bis jetzt bekannten wasserathmenden Insecten-Larven sind die sogenannten Kiemen meist durch haar- und blätterförmige Fortsätze am hintern Leibesende repräsentirt, an deren irinern Oberfläche sich ein sehr feines Tracheennetz verbreitet, welches den Gasaustausch zwischen der innerhalb des Körpers befindlichen Luft und jenen Gasen vermittelt, welche die das Thier umgebende Flüssigkeit aufgelöst enthält. Während nun alle diese Larven einzig und allein für Wasserathmung eingerichtet sind, sind unsere Larven einer doppelten Respiration fällig. Bis jetzt ist noch kein Insect weder im Larven- noch im ausgebildeten Zustand bekannt, welches sowohl mit den Gasen des Wassers, a 1 s mit denen der atmosphäri- sclienLuft durch längere Zeit einen respiratorischen Gasaustausch unterhalten könnte. Unsere Gastrus-Larxen sind daher im wahren Sinne des Wortes Amphibien.

Nachdem Schröder van der Kolk1) durch Experimente die Communication der Kiemencanäle mit dem schwammigen Gewebe und der Luftkammer constatirt hatte3), glaubte er den eigentlichen

1) L. c. p. 91.

2) Er injieirte zuerst Quecksilber durch eineTrachee in die Luftkammer, es kam nichts davon in die Kiemenbläschen; dann injieirte er von der äusseren Fläche der Kiemen- platte aus durch ein zerrissenes Kiemenbläschen, von wo sich das Quecksilber so- gleich in die Kiemencanäle und in die Luftkammer ergoss. Es erklärte sich die erstere Erscheinung in der Weise, dass durch die Injection von den Tracheen au> die Luft in die Räume des schwammigen Gewebes und von da in die Kiemencanäle getrieben wurde, und daher das Quecksilber in letztere nicht eindringen konnte, ausgenommen, er hätte einen so starken Druck auf das Quecksilber ausgeübt, dass die die Kiemenbläschen nach aussen verschliessende Membran geborsten wäre.

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Rd. 1. Abth. 2

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Zweck des schwammigen Gewebes darin suchen zu müssen, dass dieses die sogenannten Kiemenbläschen, die in Folge des beim Aus- treiben der Luft durch die Stigmenöffnung hervorgebrachten Luft- druckes möglicherweise bersten könnten, vor Rupturen schützen stillte. Es steht aber dem Entweichen der Luft ans dem Innern des Larven- körpers gar kein Hinderniss entgegen, indem schon, wie wir sogleich sehen werden, hei dem leichtesten inneren Luftdruck die Stigmen- öffnung wegsam wird, und wenn das Thier im Wasser athmet, ent- steht ohnehin keine Erhöhung des inneren Luftdruckes, weil ein Hinaustreiben der Luft zu der Zeit , als sich das Thier im Wasser befindet, sogleich eine Erstickung desselben zur Folge hätte. Es fragt sich nur, durch welche Vorrichtung wird die Stigmenröhre oder die äussere und innere Stigmenöffnung wegsam gemacht, und wie geschieht es, dass eine Wegsamkeit derselben schon durch den leichtesten inneren Luftdruck eintritt?

Schröder van der Kolk hat an der äusseren Stigmen- öffnung einen Sphincter und Dilatator beschrieben, Muskeln, die ich vergebens gesucht hübe. Er meinte ferner, dass der oben beschrie- bene Stigmen räum für sich abgeschlossen sei, und blos durch dieCanäle, die sich in beiden Zapfen (Fig. 36 hh^ befinden, mit den Tracheen der zwei Stigmenlippen communiciren, so dass, wenn diese sich zusammenziehen, sie die in ihren Tracheen enthaltene Luft in den Stigmenraum hineintreiben. Er will dies durch Experimente con- statirt haben. Hiedurch würde nun allerdings der Stigmenraum grösser und die Stigmenröhre wegen Entfernung der inneren von der äusseren Stigmenmembran gestreckt; aber abgesehen davon, dass es mir nicht gelingen konnte, ein derartiges blos für die Stigmen- lippen bestimmtes Tracheensystem nachzuweisen, wissen wir aus obiger Beschreibung, dass der Stigmenraum von der Luftkammer (von Schröder van der Kolk „Chambre aerifere" genannt) nicht abgeschlossen ist, sondern vielmehr mit ihr durch das poröse Gewebe der Kiemenplatten communicirt. Aus obiger Beschreibung wissen wir ferner, dass die Zapfen des Ringes der inneren Stigmenmembran aufliegen, und diese gegen die äussere Stigmenmembran andrücken. So lange dies der Fall ist, ist der Stigmenraum aufgehoben.

Contrahirt sich nun das Thier, um die Luft aus dem Innern des Körpers auszutreiben, so wird diese vor Allem mit einer gewissen Kraft aus den Tracheenstämmen in die Luftkammer getrieben, von

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wo aus sie mit entsprechender Gewalt in alle mit dieser communi- cirende Räume (das poröse Gewebe des Ringes und der Kiemen- platte) also auch in den Stigmenraum dringen wird. Der Druck nun. unter welchem die Luft in den Stigmenraum dringt, wird zunächst lazu verwendet, um die innere Stigmenmembran und mit dieser auch ie beiden starken aber ziemlich elastischen Zapfen des Ringes von Jer äusseren Stigmenmembran soweit emporzuheben, dass die Stig- menröhre gespannt wird. Hiedurch wird das Lumen der Stigmenröhre, wie dies schon weiter oben auseinandergesetzt wurde, hergestellt und die Luft kann durch diese unbehindert aus der Luftkammer nach aussen entweichen.

Hat die Körpercontraction, nachdem die Luft aus dem Innern des Körpers zum grossen Theil ausgetrieben wurde, nachgelassen, so hört jener innere Luftdruck auf, der den Stigmenraum mit Luft erfüllt und die innere Begrenzungsmembran desselben von der äusseren emporgehoben hat; es entsteht im Innern des Körpers ein leerer Raum, und die atmosphärische Luft dringt mit Gewalt in die Tracheen des Körpers, sich von der äusseren Stigmenöffnung aus durch die Stigmenröhre Bahn brechend, so lange ein, bis im Innern des Körpers das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Ist dieses gesche- hen, so wird die innere Stigmenmembran durch die Elasticität der Zapfen, und in Folge der Zerrung, die sie von Seite ihrer Anheftungs- punkte an den inneren Rand der porösen Schichte der Stigmenplatte erlitten hat, an die äussere Begrenzungsmembran des Stigmenraumes wieder angedrückt, und die Stigmenröhre wird und bleibt so lange unwegsam, bis die Luft im Innern des Körpers von Neuem einein erhöhten Druck ausgesetzt wird.

Ganz derselbe Vorgang findet ohne Zweifel auch bei jenen indi- recten Versuchen Statt, durch welche die Existenz der Stigmenöffnung überhaupt auf die obgeschilderte Weise dargethan wurde. Die Ent- leerung der Luft aus dem Innern des Larvenkörpers in Form von Luft- blasen, sei es dadurch, dass in Kalkwasser gelegte Larven dem Spiele der Luftpumpe ausgesetzt, oder aber, dass die Larven in heisses Wasser geworfen werden . beruht doch immer auf demselben Princip, dass nämlich der Druck und die Spannung der Luft im Innern des Körpers erhöht, und diidurch die Stigmenöffnung wegsam gemacht wird.

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Es fragt sich ferner, was ist der eigentliche Zweck des porösen Gewebes an der der Luftkammer zugewendeten Seite der Stigmen- platte ?

Wir wissen aus der Physik, dass poröse und schwammige Kör- per in ihren Poren grosse Quantitäten von Gasen zu verdichten im Stande sind, und dass gerade so kleine Räume, wie i. B. die Poren der Holzkohle, des Platinschwammes, und wie es die mit freiem Auge nur kaum noch wahrnehmbaren Areolen des in Rede stehenden schwammigen Chitingewebes sind, die Hanptlaboratorien chemischer und dynamischer Wechselwirkungen der Molecüle abgeben. Die Kiemencanäle sind die wasserathmenden Organe der Gastrus Larven, indem die Luft aus dem Innern der Tracheen in die Luftkammer, Ton da in das schwammige Gewehe, und dann erst in die Kiemen- canäle gelangt. Das schwammige Gewehe bildet mit seinen zahl- reichen feinen Lücken gleichsam eine enorm grosse Vorratskammer in einem kleinen Räume, wo eine grosse Menge von Kohlensäure stets bereit gehalten wird, um gegen Austausch von Sauerstoff aus der das Thier umgebenden Flüssigkeit einen stets regen DifFusions- strom durch die die Kiemencanäle' nach aussen begrenzende, zarte Chitiumembran zu unterhalten. W i r h ab e n demnachim porösen C h i t i n g e w e b e ein den Respirationsprocess erhöhenden M e cli a n is mus.

Ausser jener Stigmenöffnung, die wir an der Stigmenplatte beschrieben haben, und als hintere bezeichnen wollen, haben die Gastrus - Larven noch zwei (vordere) Stigmenöffniingen , mittelst welcher die Thiere ebenfalls Luft athmen können. Wenn man den konisch geformten ersten Leibesring der Larve an der Rückseite genau betrachtet, so sieht man schon mit freiem Auge von der abge- stumpften Spitze dieses Ringes beiderseits eine Furche gegen die Einschnürung zwischen \. und 2. Leihesringherablaufen, und daselbst in einer trichterförmigen Grube endigen. Wenn man im Innern des Körpers diese Gegend untersucht, so findet man. dass sich entsprechend dieser Gruben das äussere Integument zu einer starren ganz klar und hell gefärbten Röhre einstülpt; in dieser Röhre liegt jener eigenthüm- licbe braune Körper, in welchen das vordere Ende einer jeden der zwei seitlichen Haupttracheenstämme endigt.

Diese Körper (Fig. 40) sind keulenförmig, bestehen aus einem Stiele («) einer knopfformigen Anschwellung (6) und sind im

Vergleichende Anatomie und Physiologie der Ösfriden-Larveu. 2 1

Inneren hohl; ihr Lumen setzt sich in das des Tracheenstammes (e) fort. Der Knopf liegt in der trichterförmigen Röhre (c, (/) frei, welche letztere sich erst am Stiele des braunen Körpers anheftet. Der Knopf ist so wie die Röhre, in der er steckt, von beiden Seiten her platt gedrückt, und hat viele Einkerbungen, durch welche sein Lumen mit der äusseren Luft (des Trichters) unmittelbar communicirt.

Schröder v. d. Kolk fasste diese 2 Körper als drüsige Organe auf, in welche die zwei seitlichen Körpertracheenstämme endigen. Er glaubte, dass sie einfach, mittelst einer Randmasse an die innere Fläche des äusseren Integumentes befestiget seien, während Joly1) nicht nur die vorderen 2 Stigmenöflnungen ganz genau beschreibt, sondern sogar die braunen Körper als aus einem fein schwammigen Chitingewebe bestehend erkannte. Die Structur der Wand dieser Körper verräth sich schon beim Präpariren derselben mit den Nadeln als eine durchaus fein poröse, indem beim mindesten Druck auf dieselben eine grosse Menge von Gasbläschen frei werden, die sich an die Nadelspitzen festsetzen , und sonst in der umgebenden Flüssigkeit sich ausbreiten. Die Lücken des Ralkengewebes sind aber hier bedeutend feiner als an den schon beschriebenen schwammigen Geweben der Stigmenplatte, wo erstere noch mit freiem Auge wahr- nehmbar sind; sie konnten bei den braunen Körpern nur durch mühsam gewonnene, äusserst feine Durchschnitte als unzweifelhaft dargestellt werden. Die äusserste Schichte der Wand wird durch eine gleich- massige dünne Chitinlamelle gebildet, von welcher eben das feine Ralkengewebe ausgeht. Diese Lamelle enthält stellenweise grosse Löcher, um den Zutritt der Luft in's schwammige Gewebe von aussen her zu ermöglichen.

Der Zweck dieser Körper ist, wenn man deren Charakter im Auge hält, leicht einzusehen. Es wird in den Poren derselben eine grössere Menge von Gasen sowohl von aussen als von innen (der Tracheen) her verdichtet, um den Gasaustausch zu erhöhen. Wir haben also hier, an den vorderen Stigmenöffnungen denselben die Respiration erhöhenden Mechanismus, als hinten an der Innenfläche

') Recherche« zoologiques, anatomiques , physiologiqttes et niedicaies sur lex Oesirides, cn general, et parliculierement sur les Oesirides, qui attaquent l'homme, le cheval, le heuf et le mouton. ( \nnales des sciences phys. et nat. d'Agriculture et d'Industrie lö46, p. 1Ö7— ÜOJ.)

22 Scheiter.

der Stigmenplatte bei der wasserathnienden Vorrichtung der Kiemen- canäle. Indesss dürften die Larven gewiss sehr selten in der Lage sein, durch die vorderen Stigmenöffnungen zu athmen, da die trich- terförmige Röhre starr ist, und in Ermanglung jeder verschliessenden Vorrichtung die Stigmenöffnungen klaffen, und somit stets mit Schleim verstopft sind.

Aus allem bisher Gesagten geht hervor, dass die obige Be- hauptung, dass unsere Larven im wahren Sinne des Wortes Amphi- bien wären, vollkommen gerechtfertigt erscheint. Wenn wir je- doch bedenken, dass die vorderen feinen Stigmenöffnungen kaum jemals zur Athmung dienen können, und dass die mikroskopisch kleine hintere Stiginenöffnung zu unausreichend sein dürfte, um den ganzen Larvenkörper, wenn auch nur zeitweilig, mit frischer Luft zu ver- sehen; wenn man ferner bedenkt, dass der wasserathmende Apparat weit mehr entwickelt ist als der luftathmende, und fast das ganze Areal der Stigmenplatte in Anspruch nimmt: so müssen wir gestehen, dass unsere Larven, zumal wenn man den Ort und die Umstände in Betracht zieht, unter welchen sie ihr Leben zu fristen hingewiesen sind, vorwiegend wasserathmenile Thiere seien.

Der Diffusionsprocess der Gase geht hier ohne Zweifel genau so vor sich, wie bei den übrigen wasserathnienden Insecten-Larven. Bei allen mit Tracheenkiemen athmenden Insecten-Larven muss der Process der Gasdiffusion von jenem unterschieden werden, wie er bei anderen wasserathnienden Thieren, z. B. bei Fischen, Krebsen u. s. w. vor sich geht. Während bei mit wirklichen Kiemen ath- menden Thieren zwei mit Gasen geschwängerte Flu ss igk ei ten (Wasser und Blut) durch eine thierische Membran getrennt sind, trennt bei mit Tracheenkiemen athmenden Insecten die thie- rische Membran ein reines Gasgemenge (der Tracheen) von einer Gase enthaltenden Flüssigkeit (umgebendes Medium). Da nun erst eres mit Kohlensäure überschwängert, letztere aber einer- seits Sauerstoff gelöst enthält, andererseits aber für Kohlensäure einen sehr hohen Absorptionscoefficienten hat, geht letztere gröss- tenteils in das Wasser über, während Sauerstoff entsprechend dem Volum der übergetretenen Kohlensäure in's Gasge- menge der Tracheen diffuudirt.

Sowohl bei allen mit Kiemen athmenden Wasserthieren, als auch bei allen (mit Lungen oder Tracheen athmenden) Luftthieren

Vergleichende Anatomie nmi Physiologie der Östriden-Lavven. *Zo

diffundiren die Athmungsgase nur einmal durch thierische Häute, indem da wie dort das Athmungsmedium in anmittelbare Berührung mit jener thierischen Membran gelangt, welche eben die zu oxydirende Blutflüssigkeit gegen die Aussenwelt abschliesst. Nicht so bei den mit Tracheenkiemen athmenden Insecten-Larven. Hier muss der Sauerstoff, um in's Blut zu gelangen, zweimal durch thierische Häute diffundiren, u. z. 1. aus dem umgebenden Flüssigkeits- medium gegen das Gasgemenge innerhalb des Tracheensystems, und 2. von da aus geg^n die Blutflüssigkeit. Wir müssen daher im Athmungsapparate dieser Thiere in Bezug des Durchdringens der Gase zwei Di ff usi o usgr enzen unterscheiden, die eine (äussere) dort, wo die Tracheenluft gegen das äussere Flüssigkeitsmedium abgeschlossen ist, die andere (innere Diffusionsgrenze) dort, wo die Tracheenluft gegen die Blutflüssigkeit abgegrenzt ist (feinste Tracheenverästelungen, Tracheencapillaren).

B. Innere Respirationsorgane der Gastrus-Larven.

Auch in Bezug der inneren Respirationsorgane weicht der Bau der Gastrus- Larven bedeutend von dem der übrigen Östriden- Larven ab. Wie schon Eingangs dieses Capitels erwähnt wurde, lassen sich die Tracheen, die sämmtlich an der inneren Wand der Luftkammer ihren Ursprung nehmen (Fig. 37 a a, b b) in zwei Kategorien bringen: in sogenannte Lungentracheen und Körpertracheen.

Die Lungentracheen sind acht an Zahl (Fig. 37 cccc, tUldd) und viel weiter als die Körpertracheen. Sie sind verhält- nissmässig sehr kurz und geben schon frühzeitig eine grosse Anzahl von dicht an einander gedrängten Ästen ab (Fig. 41 bb). Diese Äste geben wieder eine Anzahl einfacher, kurzer und sehr dünner Zweigchen ab, die endlich in, zellenartige Bläschen (Fig. 41 cc) endigen, welche Schröder van der Kolk „Lungenbläschen" nannte. Die Äste gehen so dicht neben einander von den Tracheen- stämmen ab, dass diese sich sehr rasch verjüngen und von innen gesehen, eigentlich blos kleine Hohlkegel darstellen, deren Wand von einer grossen Anzahl Löcher siebförmig durchbohrt ist (Fig. 41 a). Die Structur dieser Tracheen ist der der übrigen gleich.

Wenn man den Körper einer frischen Gastrus-Lur\e öffnet, so fällt sogleich eine verschiedene Färbung des Fettkörpers der vordem

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und hintern Körperhälfte auf. Derselbe ist nämlich in der vordem Partie weiss und grobkörnig, während er in der hintern röthlich gefärbt und feinkörnig erscheint. Diese letztgeschilderte Fettkörper- partie ist eben nichts Anderes, als ein Conglomerat jener Organe, die Schröder van der Kolk Lungenbläschen nannte. Sie sind m et am orphosirte Fettkörperzellen, die nur etwas kleiner als die des übrigen Fettkörpers, übrigens auch multipolar wie diese, meist mit 3 4 Fortsätzen versehen sind (Fig. 41 dj. Die Lungenbläschen sind in fast parallelen und perlschnurartigen Längs- zügen neben einander gelagert, und hängen durch Fortsätze mit den zunächst hinter, vor und neben ihnen liegenden zusammen. In eine jede Lungenzelle geht ein feines Tracheenzweigchen des Lungen- tracheensystems hinein, um sich an der innern Oberfläche der Zellen- membran sehr reichlich zu verzweigen, und daselbst ein sehr dichtes und feines Tracheennetz zu bilden, welches wahrscheinlich seines Luftgehaltes halber die röthliche Färbung der Lungenzellen bedingt. Den übrigen Inhalt der Lungenzellen